Montag, 7. September 2026 · Energy Doc info@energy-doc.at
Strompreise

Stromanbieter wechseln: Was der Tarifrechner Ihnen nicht verrät

17. Oktober 2025

Man sitzt an einem Abend im Oktober mit einem Tee vor dem Laptop, tippt den Jahresverbrauch in den Tarifkalkulator der E-Control ein und bekommt eine Zahl präsentiert, die verdächtig gut aussieht. 280 Euro Ersparnis. Manchmal mehr.

Und dann kommt der Moment, in dem man kurz zögert. Weil man ahnt, dass da irgendwo ein Haken sein muss. Meistens ist da tatsächlich einer, aber er ist kleiner, als viele befürchten, und er steht an einer sehr vorhersehbaren Stelle.

Der Neukundenbonus ist keine Ersparnis, sondern ein Vorschuss

Die meisten der spektakulären Zahlen im Vergleich entstehen durch einen einmaligen Bonus im ersten Jahr. Der wird üblicherweise mit der Jahresabrechnung gutgeschrieben, nicht monatlich.

Das heißt zweierlei. Erstens: Sie zahlen ein Jahr lang die normale Rate und sehen vom Bonus nichts. Zweitens: Im zweiten Jahr fällt er weg, und Sie stehen plötzlich bei einem Tarif, der ohne Bonus vielleicht gar nicht mehr besonders günstig ist.

Das ist nicht verwerflich, man muss es nur wissen. Wer wechselt, sollte sich den Tag im Kalender eintragen, an dem der Bonuszeitraum endet. Und dann wieder vergleichen. Die Menschen, die beim Strom wirklich sparen, sind selten die mit dem besten Tarif, sondern die mit dem besten Gedächtnis.

Preisgarantie ist nicht gleich Preisgarantie

Hier trennt sich die Spreu. Es gibt Tarife mit einer echten Energiepreisgarantie über zwölf oder vierundzwanzig Monate, und es gibt Tarife, die zwar Garantie heißen, aber nur den Arbeitspreis meinen und den Grundpreis ausklammern.

Netzentgelte, Abgaben und Steuern sind ohnehin nie garantiert. Die legt nicht Ihr Anbieter fest, sondern die Regulierungsbehörde und der Gesetzgeber. Wenn also jemand mit einer Rundum-Preisgarantie wirbt, betrifft die immer nur den Teil, den er selbst in der Hand hat, und das ist ungefähr die Hälfte Ihrer Rechnung.

Fix oder floatend, und warum die Antwort langweilig ist

Floatende Tarife koppeln den Arbeitspreis an einen Börsenindex und ändern sich monatlich oder quartalsweise. Wer 2021 eingestiegen ist, hat 2022 sehr unschöne Erfahrungen gemacht. Wer 2023 eingestiegen ist, hat gut verdient.

Die ehrliche Antwort lautet: Es ist eine Wette, und niemand weiß, wie sie ausgeht. Wenn Sie schlecht schlafen, wenn die Rechnung schwankt, nehmen Sie fix. Wenn Sie ein Polster haben und Schwankungen aushalten, kann floatend über mehrere Jahre günstiger sein. Beides ist vernünftig, nur die Selbsteinschätzung muss ehrlich sein.

Was beim Wechsel tatsächlich passiert

Erstaunlich wenig. Der neue Anbieter erledigt die Kündigung beim alten, der Netzbetreiber bleibt derselbe, die Leitung bleibt dieselbe, der Zähler bleibt derselbe.

  • Der Strom fällt nicht aus. Nicht für eine Sekunde.
  • Sie brauchen Zählpunktnummer und Zählerstand, beides steht auf der letzten Rechnung.
  • Der Wechsel dauert in Österreich meist etwa drei Wochen.
  • Kündigungsfristen: Bei unbefristeten Verträgen üblicherweise zwei Wochen zum Monatsende. Bei Bindung wird es zäher.

Die Falle mit der Vertragsbindung

Ein Tarif mit zwölf Monaten Bindung ist in Ordnung, wenn der Preis stimmt. Aber lesen Sie nach, was nach Ablauf passiert. Manche Verträge verlängern sich automatisch um ein weiteres Jahr, wenn man nicht rechtzeitig kündigt, und dann sitzt man wieder fest.

Wenn der Anbieter die Preise erhöht, haben Sie in Österreich ein außerordentliches Kündigungsrecht. Das steht in der Regel klein und höflich im Erhöhungsschreiben, und genau dieses Schreiben landet bei den meisten ungelesen im Papierkorb.

Der Verbrauch ist wichtiger als der Tarif

Das klingt unromantisch, stimmt aber. Ein Zweipersonenhaushalt mit 2.500 Kilowattstunden im Jahr spart durch einen Wechsel vielleicht 150 bis 250 Euro. Ein Haushalt mit einem alten Elektroboiler und 6.000 Kilowattstunden spart durch denselben Wechsel mehr, aber der eigentliche Hebel liegt woanders.

Schauen Sie sich vor dem Vergleichen an, wo Ihr Verbrauch überhaupt herkommt. Ein alter Gefrierschrank im Keller frisst gern 300 Kilowattstunden im Jahr, ohne dass ihn irgendjemand jemals aufmacht.

Und wenn es finanziell eng ist

Das ist kein Randthema. Wer mit der Rechnung nicht mehr nachkommt, sollte nicht warten, bis die Mahnung kommt. Anbieter müssen in Österreich vor einer Abschaltung informieren, und Ratenvereinbarungen sind Standard, wenn man von sich aus anruft.

Dazu gibt es Unterstützung: die Energieberatung der Länder, die Caritas, der Heizkostenzuschuss der Bundesländer, der jedes Jahr im Herbst wieder aufgesperrt wird. Fragen kostet nichts, und niemand notiert es sich.

Der Tarifvergleich ist eine halbe Stunde Arbeit. Für 200 Euro ist das ein ordentlicher Stundenlohn, und ehrlich: Es gibt unangenehmere Arten, einen verregneten Oktoberabend zu verbringen.

Schlagwörter: , , ,

Das könnte Sie auch interessieren