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Heizen & Wärme

Warum die Wohnung im Advent nie richtig warm wird, obwohl die Heizung läuft

4. Dezember 2025 ·

Es ist Anfang Dezember, draußen dämmert es um halb vier, im Stiegenhaus riecht es nach den Vanillekipferln der Nachbarin. Drinnen läuft die Heizung, das Thermometer zeigt brave 21 Grad, und Sie sitzen trotzdem mit einer Decke über den Knien am Sofa und ziehen die Ärmel über die Hände.

Das ist kein Einbildungsproblem. Lufttemperatur ist nur einer von mehreren Faktoren, und ehrlich gesagt nicht einmal der wichtigste.

Die Wand ist kälter als die Luft

Der Fachbegriff dafür heißt Strahlungstemperatur, und er erklärt fast alles. Ihr Körper gibt Wärme an kalte Flächen ab, ohne dass Sie das als Zug spüren. Eine ungedämmte Außenmauer hat im Dezember innen vielleicht 15 Grad. Ein altes Fenster noch weniger.

Wenn Sie neben so einer Fläche sitzen, strahlen Sie Wärme dorthin ab. Die Luft kann dabei ruhig 22 Grad haben, es fühlt sich trotzdem nach 18 an. Deshalb ist der Fauteuil an der Innenwand gemütlicher als derselbe Fauteuil am Fenster, und deshalb sind Wandheizungen und Fußbodenheizungen bei gleicher Temperatur so viel angenehmer.

Der praktische Schluss: Stellen Sie das Sofa im Winter um. Klingt lächerlich simpel. Wirkt aber sofort.

Zu trockene Luft fühlt sich kälter an

Im Dezember sind 25 bis 30 Prozent relative Luftfeuchte in einer geheizten Wohnung keine Seltenheit. Das ist Wüstenniveau. Die Haut verdunstet mehr, und Verdunstung kühlt.

Angenehm sind 40 bis 55 Prozent. Ein Hygrometer kostet zehn Euro und lohnt sich mehr als jedes Wellness-Gadget. Wenn der Wert zu niedrig ist: Wäsche in der Wohnung trocknen, eine Schale Wasser auf den Heizkörper, Pflanzen. Ultraschallvernebler nur, wenn Sie sie wirklich täglich reinigen, sonst blasen Sie Keime durch die Wohnung.

Aber Achtung, das gilt in beide Richtungen. Über 60 Prozent wird es in einer schlecht gedämmten Altbauwohnung heikel, weil sich die Feuchtigkeit an der kältesten Ecke niederschlägt.

Der Adventkranz, das Backrohr und die Rechnung

Die gute Nachricht des Monats: Die Kekse helfen tatsächlich. Ein Backrohr, das drei Stunden auf 180 Grad läuft, gibt seine Wärme am Ende komplett an die Küche ab. Das ist teurer Strom, ja, aber verloren ist er nicht.

Die weniger gute Nachricht betrifft die Lichterketten. Wobei: Wenn Sie LED verwenden, und das tun mittlerweile fast alle, reden wir bei einer Innenbeleuchtung über wenige Watt. Zwanzig Stunden Adventbeleuchtung pro Woche kosten Sie über den ganzen Dezember im Cent-Bereich. Da würde ich nicht anfangen zu sparen.

Die alte Glühlampenkette am Balkon aus den Neunzigern ist eine andere Geschichte. Die zieht gern 200 Watt und läuft von vier bis Mitternacht.

Was in dieser Woche wirklich hilft

  • Fußboden. Dicke Socken und ein Teppich schlagen jedes Grad Raumtemperatur.
  • Türen zu unbeheizten Räumen konsequent schließen. Auch die zum Vorzimmer.
  • Rollläden runter, sobald es finster ist. Die Luftschicht zwischen Laden und Fenster bringt real etwas.
  • Heizkörper nicht mit dem Adventschmuck zustellen. Man lacht darüber, bis man es selbst gemacht hat.

Nachtabsenkung: nicht immer eine gute Idee

Bei Gasthermen und schlecht gedämmten Häusern ist es sinnvoll, nachts um zwei bis drei Grad abzusenken. Bei Wärmepumpen mit Fußbodenheizung ist es das oft nicht, weil der Estrich träge ist und die Anlage am Morgen mit hoher Vorlauftemperatur nachheizen muss, also genau im ineffizientesten Modus arbeitet.

Wenn Sie eine Wärmepumpe haben und noch mit den Einstellungen aus dem Inbetriebnahmeprotokoll fahren, lassen Sie sich das einmal von jemandem anschauen, der es kann. Die Standardkurve ist selten die richtige.

Der Boden im Erdgeschoß

Wer im Erdgeschoß über einem unbeheizten Keller wohnt, kämpft im Dezember gegen eine Fläche, die schlicht kalt ist. Zehn Grad im Keller heißen elf oder zwölf Grad an der Unterseite des Bodens, und das spürt man mit jedem Schritt.

Die wirksamste Maßnahme ist eine Dämmung der Kellerdecke von unten. Das ist in einem eigenen Haus ein Wochenendprojekt mit Dämmplatten und Kleber, kostet je nach Fläche ein paar hundert Euro und verändert das Wohngefühl im Erdgeschoß sofort. In einer Mietwohnung geht das nicht, dort bleibt der Teppich.

Und dann ist da noch der Kopf

Wärme ist zu einem erstaunlich großen Teil eine Frage der Wahrnehmung. Warmes Licht statt kaltweißer LED-Streifen. Eine Kerze am Tisch. Eine Wärmflasche, die zwei Euro Strom im Jahr kostet und mehr bewirkt als das Thermostat.

Das ist kein Ersatz für eine funktionierende Heizung, und ich will das auch nicht kleinreden. Wer in einer kalten Wohnung sitzt, weil das Geld nicht reicht, dem hilft kein Teelicht. Dafür gibt es die Heizkostenzuschüsse der Länder und die Energieberatungsstellen, und die sind im Dezember besonders erreichbar.

Für alle anderen gilt: Das Frösteln im Advent ist meistens reparabel. Und zwar mit einem umgestellten Sofa, einem Hygrometer und einem Paar ordentlicher Socken.

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