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Photovoltaik

Warum Ihre PV-Anlage im September plötzlich weniger liefert, obwohl die Sonne scheint

29. September 2025 ·

Es gibt Menschen, die schauen morgens zuerst aufs Wetter. Und es gibt Menschen mit Photovoltaik am Dach, die schauen zuerst auf die Ertragskurve. Sie wissen genau, wer Sie sind.

Im September wird diese Kurve zum kleinen täglichen Ärgernis. Draußen ein Bilderbuchtag, kein Wölkchen, und trotzdem steht am Abend eine Zahl da, die deutlich unter dem liegt, was man im Juni gewohnt war. Der erste Gedanke ist fast immer derselbe: Da stimmt etwas nicht.

Meistens stimmt alles. Es ist nur der Sonnenstand

Im Juni steht die Sonne in Wien mittags etwa 65 Grad über dem Horizont. Ende September sind es rund 40 Grad, Ende Dezember knapp 18. Das Licht trifft flacher auf die Module, legt einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurück, und der Tag ist obendrein um mehrere Stunden kürzer.

Rechnen Sie grob: Ein September liefert in Ostösterreich typischerweise um die 60 bis 70 Prozent eines Junis. Ein Dezember gerne einmal nur zehn bis fünfzehn Prozent. Das ist normal, das ist eingepreist, und jede seriöse Ertragsprognose hat das von Anfang an so gerechnet.

Der kleine Trost: Kühle Module arbeiten besser

Was viele überrascht: Hitze ist für Photovoltaik kein Freund. Module verlieren pro Grad Zellentemperatur über 25 Grad ungefähr 0,3 bis 0,4 Prozent Leistung. An einem schwülen Julitag mit 60 Grad auf der Modulrückseite verschenkt die Anlage also spürbar etwas.

Ein klarer, kühler Septembertag mit zwölf Grad in der Früh kann pro Sonnenstunde erstaunlich gut performen. Der Tag ist nur eben kürzer. Deshalb sieht man im Herbst manchmal Spitzenwerte, die überraschend nah an den Sommerwerten liegen, während die Tagessumme trotzdem einbricht.

Wann es tatsächlich ein Problem ist

Es gibt Signale, die man ernst nehmen sollte. Nicht panisch, aber aufmerksam.

  • Ein einzelner String liefert deutlich weniger als der andere, obwohl beide gleich ausgerichtet sind. Das ist der klassischste aller Hinweise.
  • Die Kurve hat mittags eine seltsame Delle statt eines runden Bogens.
  • Der Wechselrichter wirft Fehlermeldungen, die Sie bisher noch nie gesehen haben.
  • Es riecht im Technikraum plötzlich nach warmem Kunststoff. Dann sofort abschalten und anrufen.

Verschattung, die es im Sommer noch nicht gab

Das ist der unterschätzte Punkt. Die Nachbarsbirke, die im Juni bei hohem Sonnenstand keine Rolle spielt, wirft im Oktober um halb drei einen Schatten quer über die untere Modulreihe. Genauso der Rauchfang, die Sat-Schüssel, der Dachflächenfenster-Aufbau.

Gehen Sie einmal an einem sonnigen Nachmittag im Oktober um das Haus und schauen Sie hinauf. Was Sie dort sehen, sehen Sie im Juni nie. Und bei Anlagen ohne Leistungsoptimierer zieht ein einziges verschattetes Modul den ganzen String mit hinunter, was ungefähr so fair ist wie eine Gruppenarbeit in der Schule.

Putzen: ja, aber nicht so, wie Sie denken

Regen wäscht Staub weg, das erledigt sich in Österreich meist von selbst. Was Regen nicht wegwäscht: Vogeldreck, Blütenstaubkruste nach einem trockenen Frühling, Laub, das sich am unteren Modulrand sammelt und dort liegen bleibt.

Und bitte: keine Hochdruckreiniger, kein Spülmittel, kein Fensterputzmittel. Weiches Wasser, weiche Bürste, langer Stiel. Wenn das Dach zu steil ist, lassen Sie es lieber. Ein Sturz vom Dach kostet mehr als drei Jahre Ertragsverlust.

Jetzt ist die beste Zeit für die Jahresbilanz

Ende September lohnt sich ein Blick auf die Zahlen des ganzen Jahres, weil danach ohnehin wenig dazukommt. Interessant ist weniger der Gesamtertrag als der Eigenverbrauchsanteil.

Wer ohne Speicher arbeitet, liegt in Österreich oft bei 25 bis 35 Prozent. Das heißt im Klartext: Zwei Drittel gehen ins Netz, und die Einspeisevergütung ist nach dem Ende der hohen Marktpreise eine deutlich nüchternere Angelegenheit geworden als 2022.

Der Hebel liegt also darin, den Verbrauch in die Sonne zu verschieben. Geschirrspüler mittags, Waschmaschine am frühen Nachmittag, Warmwasser über einen Heizstab, wenn die Anlage sonst einspeisen würde. Das ist keine Raketentechnik, sondern eine Frage der Gewohnheit.

Und die Energiegemeinschaft?

Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften sind in Österreich mittlerweile keine Nische mehr. Wer den Überschuss an Nachbarn im selben Netzbereich weitergibt statt an den Großhandel, bekommt in der Regel mehr dafür und spart zusätzlich einen Teil der Netzentgelte.

Der Papierkram ist überschaubarer geworden, die Gemeinden helfen oft mit. Fragen Sie im Gemeindeamt, ob es schon eine gibt.

Die Anlage am Dach macht im Herbst also genau das, was sie soll. Sie wird nur ehrlicher darüber, wie kurz die Tage geworden sind.

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