Schimmel kündigt sich an. Nur redet er leise, und man hört ihn im Jänner besonders schlecht, weil man beschäftigt ist mit Erkältungen, Rechnungen und der Frage, warum es schon wieder um vier finster wird.
Der schwarze, samtige Fleck in der Zimmerecke ist nicht der Anfang. Er ist das Ergebnis von Wochen, in denen es Hinweise gegeben hätte.
1. Die Fensterscheibe beschlägt in der Früh von innen
Das ist das ehrlichste Frühwarnsystem, das eine Wohnung besitzt. Kondenswasser an der Scheibe heißt: In der Luft ist mehr Feuchtigkeit, als die kalten Flächen aufnehmen können.
Das Glas ist dabei noch der harmlose Fall, weil man es abwischen kann. Interessanter ist die Frage, wo sonst noch kalte Flächen sind, an denen dasselbe passiert. Hinter dem Kleiderkasten an der Außenwand zum Beispiel, wo die Luft nicht zirkuliert.
2. Es riecht muffig, aber nur manchmal
Dieser leicht erdige, kellerartige Geruch, den man beim Heimkommen für eine Sekunde wahrnimmt und der dann verschwindet, weil sich die Nase daran gewöhnt. Der ist ein Signal.
Testen Sie es so: Lassen Sie die Wohnung acht Stunden zu und kommen Sie dann von draußen herein. In der ersten halben Minute riechen Sie sie wie ein Gast. Was Sie in dieser halben Minute wahrnehmen, ist die Wahrheit.
3. Die Tapete wellt sich, ganz leicht
Meistens unten, entlang der Fußleiste, oder in der Ecke neben dem Fenster. Man denkt an schlechten Kleister und streicht mit dem Daumen darüber.
Wenn sich das im Winter zeigt und im Sommer wieder legt, ist das kein Kleisterproblem. Das ist Feuchtigkeit, die kommt und geht.
4. Die Wäsche im Schlafzimmer trocknet ewig
Ein Ständer voller Wäsche gibt zwei bis drei Liter Wasser an die Raumluft ab. Wenn das in einem 17 Grad kühlen Schlafzimmer passiert, das über Nacht zusätzlich zwei Personen mit ihrem Atem befeuchtet, wird es eng.
Wenn ein T-Shirt bei Ihnen zwei Tage braucht, ist die Luft gesättigt. Und gesättigte Luft sucht sich die kälteste Fläche im Raum.
5. Das Fensterbrett fühlt sich klamm an
Nicht nass, nur ein bisschen kühl-feucht, wie ein Stein im Schatten. Fahren Sie im Jänner einmal mit der Handfläche über die Fensterlaibungen und die untere Ecke der Außenwand. Wo es sich anders anfühlt als an der Innenwand, haben Sie eine Wärmebrücke.
Was tatsächlich hilft
- Stoßlüften, zwei- bis dreimal täglich, fünf Minuten, Fenster ganz auf. Das Kippfenster ist bei diesem Problem keine Hilfe, sondern ein Teil davon.
- Kästen zehn Zentimeter von der Außenwand abrücken. Kostet nichts, wirkt sofort.
- Nach dem Duschen sofort lüften, nicht erst nach dem Anziehen. Die Feuchtigkeit wandert sonst in die ganze Wohnung.
- Und beim Kochen den Deckel drauf, sonst stehen zwei Liter Wasser in der Luft.
- Kein Raum unter 16 Grad, auch nicht das Gästezimmer.
Der Mythos vom Zuheizen
Man hört oft, man müsse nur mehr heizen, dann verschwinde das Problem. Das stimmt halb. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit tragen, das ist richtig. Aber wenn die Feuchtigkeit nicht hinausgelüftet wird, sondern nur wärmer im Raum kreist, schlägt sie sich trotzdem an der kalten Ecke nieder.
Heizen und Lüften gehören zusammen. Eines ohne das andere ist entweder teuer oder feucht.
Wenn schon ein Fleck da ist
Kleine Flächen unter etwa einem halben Quadratmeter kann man selbst behandeln. Nehmen Sie hochprozentigen Alkohol aus der Apotheke, keine Chlorreiniger im Wohnraum, und arbeiten Sie mit offenem Fenster, Handschuhen und Maske. Wischen, nicht bürsten, sonst verteilen Sie die Sporen.
Größere Flächen sind ein Fall für Fachleute. Und wichtiger: Ein Fleck, der nach dem Putzen an derselben Stelle wiederkommt, ist kein Lüftungsproblem, sondern ein Bauproblem. Ein Rohrbruch, aufsteigende Feuchtigkeit, eine kaputte Abdichtung.
Zur Miete: melden, schriftlich, sofort
Das ist kein Nebensatz. Wenn Sie zur Miete wohnen und Schimmel auftritt, melden Sie es der Hausverwaltung schriftlich und mit Foto. Auch dann, wenn Sie befürchten, dass man Ihnen falsches Lüften vorwirft.
Denn wenn es tatsächlich ein Bauschaden ist, zählt der Zeitpunkt der Meldung. Und die Mietervereinigung oder die Arbeiterkammer schauen sich solche Fälle an, bevor es teuer wird.
Im Jänner sieht man diese Dinge am besten. Nutzen Sie einen grauen Sonntagnachmittag, gehen Sie mit der Hand durch die Wohnung und schauen Sie hinter die Kästen. Es dauert zehn Minuten. Und im besten Fall finden Sie nichts.



