Montag, 7. September 2026 · Energy Doc info@energy-doc.at
Sparen im Haushalt

Der heimliche Verbrauch: Was in Ihrer Wohnung rund um die Uhr Strom zieht

16. März 2026

Es gibt einen Moment, den fast jeder kennt: Man steht nachts in der Küche, weil man ein Glas Wasser will, und macht kein Licht an. Und dann sieht man, wie viele kleine Punkte in dieser Wohnung leuchten. Rot am Fernseher, blau am Router, grün am Geschirrspüler, irgendein Display an der Kaffeemaschine.

Jeder einzelne davon ist harmlos. In Summe ist es eine Zahl, die viele überrascht.

Was wirklich zieht, und was nur ausschaut, als würde es ziehen

Ich habe mir ein einfaches Steckdosen-Messgerät geliehen, das keine zwanzig Euro kostet, und bin damit durch eine ganz normale Vierzimmerwohnung gegangen. Die Ergebnisse waren teils erwartbar und teils irritierend.

  • Der Router: rund 10 Watt, dauerhaft. Das sind 88 Kilowattstunden im Jahr, also gut 22 Euro. Und den schaltet niemand ab, zu Recht.
  • Der Fernseher im Standby: knapp 0,4 Watt. Moderne Geräte sind hier gesetzlich gedeckelt und tatsächlich gut. Vernachlässigbar.
  • Die Soundbar mit dem Sprachassistenten daneben: 4 Watt. Zehnmal so viel wie der Fernseher.
  • Der alte Receiver im Schlafzimmer, Baujahr unbekannt: 14 Watt im ausgeschalteten Zustand. Das war der Sieger.
  • Das Notebook-Netzteil ohne Notebook: 0,2 Watt. Also, nein, das ist nicht das Problem.

Die Faustregel, die man sich merken kann

Ein Watt Dauerverbrauch kostet im Jahr etwa 2,20 Euro. Das ist die einzige Zahl, die Sie brauchen.

Damit können Sie jedes Gerät sofort einschätzen. Zehn Watt Router: 22 Euro. Vierzehn Watt alter Receiver: 31 Euro für ein Gerät, das Sie zweimal im Jahr einschalten. Und die Fußbodenheizung im Bad, die den ganzen März durchläuft, weil sie niemand umgestellt hat: eine ganz andere Liga.

Der wahre Kandidat steht im Keller

Wenn ich in einer österreichischen Wohnung oder einem Haus einen einzigen Verdächtigen suchen müsste, wäre es die zweite Kühl- oder Gefriertruhe.

Ein Gerät aus den frühen Zweitausendern zieht gern 350 bis 450 Kilowattstunden im Jahr. Das sind 90 bis 110 Euro, für eine Truhe, in der ein halbes Wildschwein, drei Packerl Spinat und Eiswürfel von 2019 liegen.

Der Test ist unbarmherzig einfach: Räumen Sie sie leer, zählen Sie, was tatsächlich verwendet wird, und rechnen Sie das gegen 100 Euro im Jahr. Bei den meisten Haushalten fällt die Entscheidung dann von selbst.

Der Boiler, über den keiner nachdenkt

Ein Elektroboiler mit 80 oder 120 Litern hält Wasser rund um die Uhr auf Temperatur, auch wenn niemand duscht. Bei einem schlecht isolierten Altgerät sind das schnell 1.000 bis 1.500 Kilowattstunden im Jahr, also 250 bis 375 Euro.

Zwei Grad weniger am Thermostat merken Sie beim Duschen nicht, sparen aber messbar. Unter 60 Grad sollten Sie allerdings nicht gehen, wegen der Legionellen. Das ist kein Marketing, das ist ein realer Grund.

Steckerleisten: sinnvoll, aber nicht überall

Eine schaltbare Steckerleiste hinter dem Fernsehmöbel ist eine gute Idee, weil dort mehrere Geräte zusammenkommen. Eine hinter dem Router ist eine schlechte Idee, weil Sie sie nie ausschalten werden.

Und bitte nicht bei allem: Kühlschrank, Gefrierschrank, Alarmanlage und alles mit einer Uhr, die Sie danach neu stellen müssen, bleiben angesteckt. Sparen darf nicht in tägliche Mühsal ausarten, sonst hört man nach drei Wochen wieder auf.

Messen statt raten

Das ist der eigentliche Rat des ganzen Artikels. Die meisten Menschen sparen an den falschen Stellen, weil sie sich auf Bauchgefühl verlassen, und das Bauchgefühl sagt immer: Standby ist schlimm, das Licht im Vorzimmer ist schlimm.

In Wahrheit sind es fast immer drei bis vier Geräte, die achtzig Prozent des unnötigen Verbrauchs ausmachen. Ein Messgerät für zwanzig Euro findet die an einem Nachmittag.

Viele Energieversorger und einige Büchereien in Österreich verleihen solche Geräte übrigens gratis. Fragen kostet nichts.

Und was der Smart Meter dazu sagt

Wenn Sie einen Smart Meter haben, und das haben mittlerweile die meisten, können Sie sich im Kundenportal Ihres Netzbetreibers die Viertelstundenwerte anschauen. Interessant ist der Wert um drei Uhr früh.

Was auch immer der Zähler dann anzeigt, läuft rund um die Uhr. Multiplizieren Sie es mit 8.760 Stunden, dann haben Sie Ihre Grundlast in Kilowattstunden. Bei einem sparsamen Haushalt sind das 60 bis 100 Watt. Bei 250 Watt lohnt sich die Suche.

Und dann steht man nachts wieder in der Küche, mit dem Glas Wasser, und sieht die leuchtenden Punkte. Nur weiß man diesmal, welche davon einem egal sein dürfen.

Schlagwörter: , , ,

Das könnte Sie auch interessieren