August ist der Monat, in dem in Österreich energiepolitisch am wenigsten passiert. Die Ämter sind auf Urlaubsbesetzung, die Baustellen stehen zwei Wochen still, und niemand denkt bei 31 Grad an die Heizung.
Genau deshalb ist es ein guter Monat. Nicht weil es angenehm wäre, sondern weil man die Konkurrenz nicht hat.
Die simple Logik der Fördertöpfe
Die meisten Programme in Österreich sind budgetiert. Es gibt eine Summe für das Jahr, und wenn sie weg ist, ist sie weg. Manche Programme werden aufgestockt, manche nicht.
Der typische Verlauf sieht so aus: Im Jänner und Februar wird der Topf geöffnet und füllt sich langsam mit Anträgen. Im Frühjahr zieht es an. Im Herbst, wenn die erste kalte Nacht die Leute an die alte Therme erinnert, kommt die Welle, und dann geht es schnell.
Wer im August einreicht, ist vor dieser Welle. Wer im Oktober einreicht, ist mitten drin.
Der zweite, wichtigere Engpass: die Handwerker
Die Förderzusage ist nur die halbe Miete. Sie brauchen jemanden, der die Arbeit macht, und zwar innerhalb der Frist, die in der Zusage steht.
Installateure für Heizungstausch sind in Österreich chronisch ausgelastet. Im August erreichen Sie sie zwischen zwei Baustellen. Im November sagen sie Ihnen einen Termin im Februar, und dann läuft Ihre Förderfrist gegen Sie.
Rufen Sie also jetzt an. Sagen Sie, dass Sie noch keine Förderzusage haben, aber im Herbst arbeiten lassen möchten. Gute Betriebe planen so.
Was Sie im August konkret erledigen können
- Drei Angebote einholen. Das dauert allein schon vier bis sechs Wochen, wenn man Pech hat.
- Einen Termin bei der Energieberatung des Bundeslandes vereinbaren. Die sind im August erreichbar, im Oktober nicht.
- Die Unterlagen zusammensuchen: Grundbuchsauszug, Energieausweis falls vorhanden, letzte zwei Jahresabrechnungen, Fotos vom Bestand.
- Und ID Austria aktivieren, falls Sie das noch nicht getan haben. Ohne die geht bei vielen Portalen gar nichts, und die Aktivierung dauert.
Der Klassiker, der jedes Jahr passiert
Jemand hat im Oktober eine Förderzusage, im Dezember bricht die Therme zusammen, und der Installateur baut in der Notlage schnell ein Ersatzgerät ein. Ein Gasgerät, weil es lieferbar ist.
Damit ist die Förderung für den Tausch auf ein erneuerbares System weg, und man sitzt zwanzig Jahre mit der falschen Entscheidung da. Nicht aus Dummheit, sondern weil es an einem Freitagabend im Dezember kalt war.
Genau davor schützt eine Planung im August. Man entscheidet in Ruhe, mit Angeboten am Tisch, ohne kalte Füße.
Vergessen Sie die Gemeinde nicht
Bundesförderung und Landesförderung kennen die meisten. Die Gemeindeförderung kennt fast niemand, weil sie nirgends zentral aufgelistet ist.
Es gibt in Österreich hunderte Gemeinden, die zusätzlich etwas dazuzahlen. Manchmal 300 Euro für eine PV-Anlage, manchmal 1.000 für einen Heizungstausch, manchmal etwas für die Dämmung. Ein Anruf im Gemeindeamt dauert fünf Minuten, und die Leute dort wissen es sofort.
Das ist wahrscheinlich der beste Stundenlohn, den dieser Artikel zu bieten hat.
Was auch im August gilt: erst registrieren, dann beauftragen
Ich wiederhole es, weil es die häufigste Ursache für abgelehnte Anträge ist. Angebote einholen ist erlaubt. Unterschreiben nicht, bevor der Antrag drin ist.
Wenn ein Installateur Sie drängt, weil er ein Gerät zu einem guten Preis hätte, und Sie sonst müssten Sie heute unterschreiben: Lassen Sie sich schriftlich bestätigen, dass es sich um eine unverbindliche Reservierung handelt. Ein seriöser Betrieb macht das ohne Diskussion.
Wie man Angebote wirklich vergleichbar macht
Der häufigste Fehler beim Einholen von drei Angeboten ist, dass man drei verschiedene Lösungen bekommt und dann Preise vergleicht, die gar nicht dasselbe abdecken.
Schreiben Sie deshalb vorher auf einem Blatt zusammen, was gemacht werden soll, und schicken Sie allen dasselbe Blatt. Heizlast, gewünschtes System, ob der alte Kessel entsorgt wird, ob neue Heizkörper dazukommen, ob der hydraulische Abgleich enthalten ist.
Danach lesen sich die Angebote plötzlich wie Angebote und nicht wie drei verschiedene Erzählungen über Ihr Haus. Und Sie merken sofort, wer sich die Sache angeschaut hat und wer nur eine Standardkalkulation ausgedruckt hat.
Und wenn die Förderung heuer nicht mehr klappt
Dann ist das kein Drama. Die Programme werden fast alle neu aufgelegt, und der Jänner ist der zweitbeste Zeitpunkt nach dem August.
Nutzen Sie den Herbst dann für die Vorarbeit: Angebote, Beratung, Unterlagen. Wer am 2. Jänner mit fertigen Papieren dasitzt und nur noch auf Absenden drücken muss, hat gegenüber allen anderen einen Vorsprung von sechs Wochen.
Das ist nicht die romantischste Art, einen Augustnachmittag zu verbringen. Aber es ist eine der wenigen Stunden im Jahr, in denen man mit ein bisschen Papierkram tatsächlich mehrere tausend Euro bewegt.



